Die Beschwerden nehmen zu
Immer mehr Kunden beschweren sich über den Service von privaten Krankenversicherungen. Ist die Alternative zur gesetzlichen Versicherung vielleicht doch schlechter als ihr Ruf? Die unabhängige Schiedsstelle für Versicherungsangelegenheiten hat die Statistik für 2009 herausgegeben. Demnach stiegen die Beschwerden der privat Versicherten im vergangenen Jahr um 15 Prozent an. 2008 kritisierten 4200 Personen die Unternehmen, ein Jahr später waren es 5015. Dies mag nun nach einem recht hohen Anstieg klingen, doch muss hinzugefügt werden, dass 8,8 Millionen Menschen in Deutschland einer privaten Versicherung angehören.
Die Beschwerden machen demnach noch nicht einmal ein Prozent vom Gesamtwert aus. Ein Großteil (22,9 Prozent) fiel auf Streitigkeiten über die medizinische Notwendigkeit von Leistungen zurück, die Versicherte mit der Kasse führten. Danach folgt mit 13,9 Prozent Kritik an der Höhe der Beiträge, mit 10,4 Prozent Streitigkeiten über die Auslegung der allgemeinen Versicherungsbedingungen. Manche Versicherte beendeten ihren Vertrag bei der privaten Krankenversicherung und reichten bei dieser zu knapp neun Prozent Klage ein. Je rund acht Prozent bemängelten die Gewährleistung von Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln und reichten Beschwerde ein, um eine Beitragsanpassung zu erreichen.
Von einem Anstieg ist auszugehen
Zwar liegen für den Zeitraum von Januar bis März noch keine genauen Zahlen vor, trotzdem vermuten Experten 2010 durch Trendentwicklung einen weiteren Anstieg der Kritik. Die Stelle, die all diese Fakten aufnimmt, nennt sich Ombudsmann. Hier wird sich unabhängig von Kunde oder Versicherer um Schlichtung bemüht. Dieser Service ist zudem kostenlos. Finanziert wird die Einrichtung durch Versicherungsbeiträge.
Lohnt sich eine private Krankenversicherung?
Wer sich überlegt, zur privaten Kasse zu wechseln, sollte sich von vornherein viel im Internet über Bedingungen und Kosten informieren, sowie verschiedene Angebote der Kassen einholen. Bei Unsicherheit ist es von großem Vorteil, auch einen Steuer- oder Finanzberater hinzuzuziehen. Auf jeden Fall muss immer erst ein Antrag gestellt werden, in dem man eine Befreiung von der gesetzlichen Versicherungspflicht beantragen muss. Ist man als junger Mensch noch in der Familienversicherung versichert, kann man den Schritt zur privaten Versicherung erst dann gehen, wenn die Zeit der gesetzlichen Versicherung abgelaufen ist. Innerhalb von drei Monaten kann dann ein Antrag gestellt werden. Allerdings kann man nicht einfach wieder aus der privaten Krankenversicherung austreten, auch nicht, wenn man durch Wegfall einer Einkommensquelle die Beiträge nicht mehr bezahlen kann. Erst dann, wenn man durch den Arbeitgeber wieder gesetzlich versichert wird, ist ein Austritt oder eine Minimierung auf eine Zusatzversicherung möglich.
Wichtig ist immer, eine Kosten- und Nutzenanalyse aufzustellen oder aufstellen zu lassen. Ist man auf die Zuzahlungen der privaten Versicherung zum Beispiel bei Brillen oder Kontaktlinsen nicht zwingend angewiesen und der sonstige Nutzen ist gleich null, sollte man sich den Wechsel genauestens überlegen. Dass allerdings Privatpatienten bei den meisten Ärzten der rote Teppich ausgerollt wird, ist leider schon durch Studien bewiesen worden.
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